Rauchverbot in Italien

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Rauchverbot in Italien

Anti-Raucher-Gesetz

Espresso ohne Zigarette

Die Italiener, ein Volk fröhlicher Raucher, müssen sich auf einiges gefasst machen. Ab sofort sollen sie beim Espresso an der Bar oder nach Pizza und Pasta auf die Zigarette verzichten - ansonsten müssen die Wirte bis zu 2200 Euro Strafe zahlen.

"Revolution von oben" in Italien: Trotz beißender Kritik und drohendem Widerstand tritt an diesem Montag im ganzen Land ein drakonisches Rauchverbot in Kraft. In den 200.000 Restaurants und Cafébars darf nicht mehr gequalmt werden - mit Ausnahme in separaten Raucherräumen mit eigener Lüftung. Die Regierung in Rom meint es diesmal offenbar ernst: Schon von Mitternacht an will sie mit Razzien auf strikte Einhaltung des Gesetzes pochen. Während eingefleischte Nikotingegner den Beginn der neuen Ära mit "Nichtraucherparties" feiern wollen, kündigen Rauchervereinigungen den Aufstand an. Kommt es zu Konfrontation und Chaos - oder finden die Italiener (wieder einmal) eine "flexible Lösung"?

Sogar ein Minister in Rom schließt sich dem Widerstand an. "Ich rauche bei Tisch. Wenn die Restaurants meinen Rauch nicht mehr wollen, dann kriegen sie mich auch nicht als Gast", empört sich Verteidigungsminister Antonio Martino. "Der Staat als Kindermädchen", wetterte die römische Zeitung "La Repubblica" am Sonntag. "Sind wir Bürger oder Kinder?"

Ausgerechnet Italien, einst als Land fröhlicher Raucher bekannt, beglückt seine Bürger mit einem der strengsten Anti-Nikotin-Gesetze in ganz Europa. Reihenweise melden sich Persönlichkeiten und Intellektuelle mit tief schürfenden Bedenken zu Wort. "Rauchen ist menschlich", meint ein Zeitungsherausgeber, der sich als nikotinsüchtig outet. "Ich qualme künftig in der Toilette", bekennt ein Leidensgenosse per Interview.

Das Problem: Medienberichten zufolge können nicht einmal fünf Prozent der Lokale mit Raucherräumen aufwarten. Bis zuletzt versuchten Wirte von Restaurants, Pizzerien und Bars, die "Zeitenwende" per Gericht zu verhindern. Sie stört vor allem, dass sie gegen aufsässige Gäste vorgehen müssen, die trotzdem zum Glimmstengel greifen. Ansonsten müssen die Wirte bis zu 2200 Euro Strafe zahlen. "Wir wollen doch nicht Sheriff spielen", ärgern sie sich. Rauchende Gäste müssen dagegen nur mit bis zu 275 Euro Strafe rechnen - sind Schwangere und Kinder dabei, verdoppelt sich die Buße. Ganz neu ist diese Regelung nicht. Schon bisher galt für zahlreiche öffentliche Räume ein Rauchverbot, doch wurde dieses bislang zumeist ignoriert, ohne dass größere Konsequenzen zu erwarten waren.

Vorreiter Irland
Etwa 26 Prozent der erwachsenen Italiener sind Raucher. Man hofft, diesen Anteil zu reduzieren, wie es in Irland schon gelungen ist. Dort trat am 29. März ein totales Rauchverbot am Arbeitsplatz in Kraft, das auch für Bars und Restaurants gilt. Selbst abgesonderte Raucherecken wurden verboten. Das Ergebnis: Rund 7.000 Iren haben seitdem das Rauchen ganz aufgegeben, und weitere 10.000 rauchen wesentlich weniger, wie der aus Irland stammende bisherige EU-Gesundheitskommissar David Byrne mitteilt.

Irland steht mit seinem Kampf gegen den blauen Dunst inzwischen nicht mehr allein. In Norwegen darf seit Juni in Bars und Restaurants nicht mehr geraucht werden, in Schweden wird dies ab Juni 2005 der Fall sein. Großbritannien erwägt die Einführung eines ähnlichen Gesetzes. Demnach sollen neben Restaurants alle Pubs und Bars, die Speisen servieren, zur rauchfreien Zone werden.

In Italien wird dies nach Schätzungen des Gaststättenverbands für etwa 90 Prozent der Lokale gelten. Lediglich zehn Prozent haben laut Verbandschef Sommariva angekündigt, einen abgeschlossenen Raucherraum einrichten zu wollen.


Peer Meinert/DPA
10. Januar 2005